4. Meisterschaftsrunde 2019 / 2020

4. Meisterschaftsrunde, 20. Oktober 2019, RAIFFEISEN unihockeyARENA Urtenen Schönbühl, Urtenen Schönbühl

ACHTUNG: DIESER MATCHBERICHT KANN IRONISCHE ODER LEICHT PROVOKATIVE / NICHTALLZUERNSTZUNEHMENDE PASSAGEN ENTHALTEN.

Manchmal hat es gewisse Vorteile, wenn sich der Ersatz-Vereinschronist mit dem Schreiben des Matchberichts etwas Zeit lässt. So kann man beispielsweise vor dem Verfassen des eigenen Berichtes lesen, wie der Gegner das Spiel gesehen hat und dann auch gleich dazu Stellung nehmen. Um ihrem Ruf als ausgewiesene Qualitätsjournalisten gerecht zu werden, hat sich natürlich auch das Redaktionsteam des UHC Bowil mit dem Matchbericht des UHT Uetigen vertraut gemacht. In diesem ist beispielsweise zu lesen, dass das UHT Uetigen über das gesamte Spiel die klar bessere Mannschaft war und die Uetiger nur an sich selbst gescheitert seien. Ob diese Aussage wahr ist und die Bowiler an eine Wand gespielt wurden oder ob der Chronist unseres Gegners Tomaten auf den Augen hatte erfahrt ihr nur, wenn ihr an dieser Stelle nicht mit lesen aufhört 😉

Wie ihr ja alle (hoffentlich) mitbekommen habt, fanden am vergangenen Sonntag die National- und Ständeratswahlen statt. Grundsätzlich hat dieses Ereignis natürlich keinen grossen Einfluss auf ein Unihockeyspiel. Ausser beim UHC Bowil, dort ist halt alles ein wenig anders… Der Wahlsonntag führte nämlich dazu, dass sich die beiden Herren Baschi Fankhauser und Schönling Flückiger lieber in ihre Büros begaben statt sich die Hallenschuhe zu schnüren. Damit fehlte den Bowilern am vergangenen Sonntag also das gesamte Captainteam. Und wir mussten gleichzeitig ohne unseren schönsten und unseren emotionalsten Spieler antreten. Und was eigentlich am schlimmsten war: in zwei der drei Linien fehlte damit der etatmässige Center. Die damit zusammenhängenden Linienumstellungen, das Versagen unseres Ersatz-DJs und noch nicht ganz wache Bowiler führte in der Summe dazu, dass der eingangs erwähnte Matchbericht der Uetiger zumindest für die ersten drei Minuten voll zutrifft. Wir sahen keinen Ball, kamen immer einen Schritt zu spät und konnten ehrlicherweise froh sein, dass unser Gegner sein Visier noch nicht richtig eingestellt hatte. Was dann aber folgte war eine Reaktion, die einem Spitzenteam von unserem Kaliber absolut würdig ist! Die Bowiler bissen sich mit Kampf und Einsatz von Minute zu Minute besser ins Spiel und konnten circa ab der Hälfte des Startdrittels das Spieldiktat an sich reissen. Die Chancen vor dem Tor des UHT Uetigen häuften sich langsam aber sicher und auch die Spielweise der Uetiger wurde zunehmend ruppiger und emotionaler. Nach 16 Minuten war es schliesslich JJ Gerber, welcher mit einer einstudierten Freistossvariante erfolgreich war. Böse Zungen behaupteten anschliessend, sein Schuss wäre meilenweit am Tor vorbeigegangen, wenn nicht ein Gegenspieler den Ball abgefälscht hätte… Aber item, wir führten also mit 1:0. Nur wenig später ahndeten die Schiris endlich einen Uetiger Stockschlag mit einer Zweiminutenstrafe. Was sie dabei nicht wussten: das Bowiler Powerplay war bislang eher durch das Kassieren von Shorthandern als mit dem Erzielen von Toren aufgefallen. Daher dürften sich wohl die Zuschauer und auch die Mitspieler verwundert die Augen gerieben haben, als der Ball geduldig durch die Bowiler Reihen lief und auch diverse gefährliche Schüsse in Richtung gegnerisches Tor abgefeuert wurden. Schlussendlich war es Bützu Schneeberger, welcher mit einem wunderschönen Schuss in den Winkel das Powerplay frühzeitig beendete und auf 2:0 stellte. Und da aller guten Dinge drei sind, erzielte Topscorer Jutzi nur wenige Sekunden später (und nach einem herrlichen Doppelpass mit Muster) den dritten Bowiler Treffer innerhalb von drei Minuten. Mit dieser komfortablen 3:0-Führung ging es in die erste Pause.

Die Geschichte des zweiten Drittels ist schnell erzählt: die Bowiler liessen den Ball in den eigenen Reihen laufen und verwalteten den Vorsprung extrem abgeklärt und geschickt. HC Meff war daher nach diesen starken 40 (oder zumindest 37) Minuten sehr zufrieden mit dem bislang gezeigten. Gleichzeitig warnte er aber auch davor, dass die drei Punkte noch nicht im Trockenen seien und wir uns auf ein Feuerwerk des Gegners gefasst machen sollen. Mit dieser Prognose traf er den Nagel leider auf den Kopf. Von der ersten Sekunde an übte Uetigen grossen Druck aus und liess uns praktisch keine ruhige Sekunde mehr. Wir dagegen liessen die Cleverness des vorherigen Drittels leider ein wenig in der Garderobe. Die logische Konsequenz daraus war nach knapp vier Minuten der Anschlusstreffer. Nur gut fünf Minuten später bewies dann unser Gegner, dass auch er Powerplay spielen kann und so stand es plötzlich nur noch 3:2. Die folgenden Minuten überstanden wir dann hauptsächlich dank dem herausragenden «Gleisu» Schweizer in unserem Tor schadlos. Doch letztlich kam es trotz unserem Weltklassetorhüter letztlich so, wie es kommen musste… Uetigen erzielte knapp zwei Minuten vor Schluss den Ausgleich und so durften wir einmal mehr Überzeit machen.

Und auch in der Verlängerung änderte sich das Bild nicht gross: Uetigen spielte praktisch mit Manndeckung bis hinter unser Tor und wir verpassten es, eine der durchaus vorhandenen Konterchancen clever zu Ende zu spielen und das Spiel so zu entscheiden. Konterchancen hatten wir übrigens auch schon im dritten Drittel die eine oder andere, aber auch da waren wir nicht fähig, diese vernünftig zu Ende zu spielen. Als sich wohl alle bereits langsam mit dem zweiten Penaltyschiessen innert Wochenfrist abgefunden hatten, erhielten wir kurz vor Schluss noch einmal die Gelegenheit Powerplay zu spielen. In der Folge versuchte unser HC, den fünf eingesetzten Spielern während eines Timeouts eine Freistossvariante beizubringen. Irgendwie verstand aber keiner wirklich die Variante und die Ausführung hätte beinahe in einem Fiasko in Form eines alleine losziehenden Gegenspielers geführt. Topscorer Jutzi war damit aber nicht ganz einverstanden, schnappte sich die Kugel und haute sie zum umjubelten 4:3 in die Maschen!

Zusammenfassend kann man also sagen, dass der eingangs erwähnte Matchbericht der Uetiger für die ersten drei Minuten und ab dem dritten Drittel sicherlich in gewissen Punkten stimmt. Ab der dritten Minute bis zur zweiten Pause spielten die Bowiler aber die vielleicht besten 35 Minuten dieser Saison und liessen dem Gegner keine Chance. So gesehen geht der Sieg der Bowiler trotz dem Einbruch im letzten Drittel in Ordnung. Positiv hervorzuheben gibt es sicherlich den Charakter der Mannschaft, denn es ist nicht selbstverständlich, dass man ein bereits gewonnenes Spiel, welches man wieder aus den Händen gibt, am Ende dann doch noch gewinnt. Und noch fast wichtiger ist die Erkenntnis, dass jeder im Team seinen Teil zum Erfolg beitragen kann und wir die vielen Absenzen problemlos kompensieren konnten.

Kleiner grösserer Input des Chronisten: Es war gemäss den Rückmeldungen des Teams besser, war immerhin der emotionalste Spieler nicht dabei. 😉 Weiter geht es am 3. November in Schüpf-Heim gegen Schüpf-Heim. Somit bestreiten die Bowiler seit einiger Zeit wieder einmal einen Spitzenkampf. Aufgrund des Spielplans der SCL Äisdigers und einem Football-Wochenende in London werden die Bowiler suboptimal vorbereitet und wieder mit einem schmalen Kader antreten. Wie ihr alle heute gelernt habt, muss man nicht immer alles glauben, was ein Autor schreibt in einem Matchbericht. Geht mit offenen Augen durch die Welt und nicht mit Tomaten auf den Augen. 😉

UHT Uetigen – UHC Bowil 3:4 n.V (0:3 / 0:0 / 3:0 / 0:1)
Tore: 16. Gerber 0:1 / 17. Schneeberger (Jutzi) 0:2 / 18. Jutzi (Muster) 0:3 / 44. Uetigen 1:3 / 50. Uetigen 2:3 / 58. Uetigen 3:3 / 70. Jutzi (Schneeberger) 3:4

Strafen: Uetigen 2 x 2 Minuten // UHC Bowil  1 x 2 Strafminuten gegen Richi Däli (unerchantes Einsteigen wöu dr anger het ahgfange)

Bemerkungen: Timeout Bowil 68. Minute.

UHC Bowil: Schweizer, Hofer, S. Christen, Anderhalden, Lädrach, D. Fankhauser, Schneeberger, Sterchi, Dällenbach, Voramwald, Jutzi, Rothenbühler, Gerber, D. Christen, Liechti, L. Muster

Abwesend: S. Muster (Langzeit verletzt), S. Fankhauser (Nienidambüglen), Flückiger (Schaffeschaffeschaffe), Leuenberger (Lost in Bangkok), Brechbühl (Atemlos), Häni (Drömiger Kopf)

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